Deutsch (DE-CH-AT)English (United Kingdom)Russian (CIS)
  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Please wait while JT SlideShow is loading images...
Nanostart AGNanostart AGNanostart AG

Nanostart AG News

Region Perm: „Wir werden nanotechnologisch eine führende Rolle in Russland übernehmen“

Der Gouverneur der Region Perm, RUSNANO und die Nanostart AG wollen einen Nanotechnologie-Fonds in der Region Perm auflegen. Ziel des Fonds ist es, junge Nanotechnologie-Unternehmen bei der Kommerzialisierung ihrer vielversprechenden Technologien zu unterstützen. Wir sprachen mit Andrey Mushinkin, Leiter der Abteilung für Wissenschaft und Innovation und Stellvertretender Minister für Industrie, Innovation und Wissenschaft in der Region Perm.

Weiterlesen >>

Herr Mushinkin, können Sie uns einen kurzen Überblick über die wirtschaftliche Situation in der Region Perm geben?

Mushinkin: Die Region Perm liegt an der östlichen Grenze Europas und ist eine wichtige russische Industrie-Region. Der wirtschaftliche Fokus der Region liegt auf der Gewinnung und Verarbeitung von Bodenschätzen, dem Maschinenbau für mineralölverarbeitende Unternehmen und für Bergbau. Außerdem bei Flugzeugmotoren und Raketentechnik sowie im Bereich der Feinmechanik. In der Tat ist unsere Region ein wichtiges Zentrum für Industriezweige, die es ermöglichen, die Bodenschätze zu gewinnen, um sie nach der Weiterverarbeitung in komplexen Hightech-Produkten zu verwenden.

Diese Hightech-Branchen erfordern hoch qualifizierte Arbeitskräfte. Die Aus- und Weiterbildung von Arbeitskräften übernehmen die Nationalen Forschungsuniversitäten: die Staatliche Technische Universität Perm (PSTU) und die Staatliche Universität Perm (PSU). Hier wurden in Zusammenarbeit mit RUSNANO neue Studiengänge im Bereich Nanotechnologie entwickelt und eingeführt, die speziell auf die Entwicklung neuer Nanotechnologie-Projekte zugeschnitten sind. In der Region Perm leben rund 2,7 Millionen Menschen, rund eine Million davon direkt in Perm. Zählt man allerdings die benachbarten Regionen dazu, leben im diesem russischen Wirtschaftsraum zig Millionen Menschen, die einen enormen Markt für Konsumgüter bilden.

Können Sie uns etwas über die Infrastruktur in der Region erzählen?

Mushinkin: Die Region Perm liegt günstig an der Grenze des europäischen Teils von Russland zu Sibirien. Die Transsibirische Eisenbahn, die Europa und Asien verbindet, führt durch Perm. Über den Kama-Fluss und das mit ihm verbundene Kanalsystem haben wir Zugang zum Schwarzen Meer, zum Kaspischen Meer und zur Ostsee. Eine direkte Flugverbindung nach Frankfurt verbindet uns mit ganz Europa. Und Moskau ist nur zwei Flugstunden entfernt - in Anbetracht der enormen Größe Russlands, ist das nicht wirklich weit.

Was macht die Region Perm für ausländische Unternehmen attraktiv?

Mushinkin: All diese Faktoren – die hervorragende Industriekultur, die hoch qualifizierten Arbeitnehmer, die gute Lage und der Reichtum an natürlichen Ressourcen – machen die Region als Standort für ausländische Unternehmen attraktiv. Unternehmen wie Henkel, Nestle und Knauf haben sich bereits in der Region niedergelassen, gerade wird ein Joint Venture mit Siemens zur Fertigung von Verdichtern gegründet.

Außerdem verfügt die Region Perm über Energie im Überfluss: Dank der Wasserkraft der Kama versorgen wir auch die angrenzenden Regionen mit Strom. Das ist wichtig für die Ansiedlung energieintensiver Produktion. In der Nähe der Stadt Perm ist beispielsweise eine Fabrik für ein neues Produkt mit hohem Energiebedarf geplant: Polysilizium. Es kommt bei einer ganzen Reihe von elektronischen Erzeugnissen zum Einsatz.
Nicht zuletzt ist Perm wirtschaftlich auch eine der liberalsten Regionen Russlands. Die Regionalregierung greift nicht in die Privatwirtschaft ein. Die Beteiligung des öffentlichen Sektors auf regionaler Ebene ist praktisch gleich Null: Alle Unternehmungen in der Region Perm sind entweder privat oder in staatlicher Hand.

Gibt es besondere Anreize für ausländische Unternehmen?

Mushinkin: Innovative Unternehmen, die in Forschung und Entwicklung investieren, haben Anspruch auf Erstattung von bis zu 50 Prozent ihrer Ausgaben durch regionale Fonds. Es ist eine Initiative des Ministeriums für Industrie. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung neuer Projekte mit einem signifikanten Anteil an Forschungs- und Entwicklungs-Ausgaben. Die ausländischen Unternehmen, die in der Region Perm aktiv werden, können diese Zuschüsse beantragen, solange sie neue Arbeitsplätze in der Region schaffen.

Auch der Steuersatz in der Region ist sehr niedrig: Alle Unternehmen profitieren von der niedrigen Einkommensteuer. Es sind 15,5% im Gegensatz zu 19,5% auf Bundesebene. Auch die Vermögens- und Grundsteuer und die Transport-Steuer sind niedrig.

Sie haben über hoch qualifizierte Arbeitskräfte gesprochen: In der Region Perm gibt es insgesamt mehr als 40 Universitäten und Forschungszentren. Können Sie uns das ganze Bild geben?

Mushinkin: In der Region Perm gibt es drei Zweige und vier Institute der Russischen Akademie der Wissenschaften, 18 Hochschuleinrichtungen und etwa 35 spezielle Institute und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen. Hier ist das Wissenschaftszentrum der Sektion Ural der Russischen Akademie der Wissenschaften. An den Universitäten der Region Perm studieren mehr als 100.000 Studenten. Die Russische Akademie der Wissenschaften funktioniert ähnlich wie die Max-Planck-Gesellschaft in Deutschland. Neben staatlichen Wissenschaftsinstituten gibt es in Russland auch private Forschungseinrichtungen.

Von allen Hochschuleinrichtungen in Russland haben die Nationalen Forschungsuniversitäten den höchsten Stellenwert. Der Status „Nationale Forschungsuniversität“ wird für zehn Jahre an höhere Hochschuleinrichtungen vergeben, wenn sie aus einem entsprechenden Wettbewerb als Sieger hervorgehen. Von ihnen gibt es in ganz Russland nur 29 Stück. Deshalb genießen sie ein besonderes Ansehen und wir sind stolz darauf, dass es in Perm gleich drei Nationale Forschungsuniversitäten gibt: die Staatliche Universität Perm (PSU), die Staatliche Technische Universität Perm (PSTU) und die Höhere Schule für Wirtschaft. Diese hat in Russland vier Standorte: Moskau, St. Petersburg, Nowgorod und Perm Nijniy.

Sie bilden laufend hochqualifizierte Arbeitskräfte aus und fördern somit den Technologietransfer. Gibt es dabei einen besonderen Fokus auf bestimmte wissenschaftliche Disziplinen?

Mushinkin: Es ist offensichtlich, dass das größte Potenzial auf den Wissenschaftsfeldern liegt, die von der regionalen Wirtschaft am dringendsten benötigt werden. Die Prioritätenliste, die im Rahmen des Entwicklungsprogramms der PSTU erstellt wurde, enthält beispielsweise Flugzeugmotorenbau, Verbrennungs- und Gasturbinentechnik und Förderung und Weiterverarbeitung von Öl, Gas und Mineralien. Forschung und Mitarbeiterschulungen in diesen Bereichen werden von der Industrie laufend nachgefragt. An der PSU liegt der Fokus auf den Bereichen "Technologien zur Erkundung, Entwicklung, Prognose und Management von geologischen Ressourcen und Systemen“ und „Modellierung und Management von chemischen Prozessen und Technologieentwicklung“.

Ebenso stehen auch neuere wissenschaftliche Bereiche, wie "Raumplanung" oder "Nanotechnologie-Industrie" auf der Prioritätenliste an der PSTU.

Insbesondere ist es notwendig, das wissenschaftliche Potenzial der Region Perm in einer Reihe von wissenschaftlichen Disziplinen zu sehen, die die Life-Sciences-Cluster bilden. In Perm gibt es medizinische und pharmazeutische Akademien, die zu den führenden Einrichtungen dieser Art in Russland zählen. Darüber hinaus ist der wissenschaftliche Bereich "Technologien für das Management lebender Systeme" ein Schwerpunkt der PSU als Forschungsuniversität.

Neben den genannten Bereichen sehen wir auch das Cluster Informations-und Kommunikationstechnologien als prioritär an.

Die Nanotechnologie ist eine Querschnittstechnologie, die in diversen industriellen Branchen angewendet wird. Gibt es Branchen in Perm, wo die Nanotechnologie schon eine besondere Rolle spielt?

Mushinkin: Grundsätzlich gibt es in der Region eine stabile interne Nachfrage nach Innovationen aus der regionalen Wirtschaft.
Nanotechnologie wird  bereits bei der Herstellung von neuen Materialien für Maschinen und im Raketenbau eingesetzt. Zum Beispiel produziert das Unternehmen "Proton" in Perm Motorenanlagen für die gleichnamige Trägerrakete, die Satelliten, auch die europäischen, in den Orbit bringt. Durch Nanopartikel erhalten dabei verwendete Verbundwerkstoffe neue Eigenschaften wie höhere Verschleißfestigkeit, Härte und Haltbarkeit.

Solche Eigenschaften werden im Analagenbau und der Ölförderung dringend benötigt.
Das Unternehmen "Novomet" zum Beispiel produziert in Perm Tauchpumpen für die Ölförderung. Es wurde vor 20 Jahren von PSTU-Absolventen gegründet. Es ist eine Erfolgsgeschichte aus Perm. Mit Hilfe der Nanotechnologie erklimmt das Unternehmen jetzt die nächste Ebene. Es produziert für den Weltmarkt. In seinem Herstellungsverfahren verwendet Novomet Pulvermetallurgie. Die Anwendung von Nanotechnologie ermöglicht den Einsatz der Pumpen auch in einer chemisch aggressiven Umgebung.

Was Perm angeht, will ich aber nicht nur die Bereiche erwähnen, in denen die Nanotechnologie bereits angewendet wird, sondern auch die Branchen, in denen sie noch angewendet werden muss. In der Stadt Tschaikowski, 300 Kilometer von Perm entfernt zum Beispiel, ist eine Stofffabrik. Wir sind sicher, dass die Anwendung von speziellen Nano-Beschichtungen den Stoffen neue, zum Beispiel schmutz- und wasserabweisende, Eigenschaften verleihen wird.

Warum sind die Region Perm und der Gouverneur auf Nanotechnologie ausgerichtet?

Mushinkin: Nanotechnologie hilft, die moderne Industriewelt sektorenübergreifend und interdisziplinär zu entwickeln. Investitionen in die Forschung und Entwicklung tragen in der Region Perm vom Motorenbau bis zur Textilindustrie in ganz unterschiedlichen Branchen, die sich hier entwickeln, wirtschaftliche Früchte. Darüber hinaus sind wir sicher, dass die Investitionen des Kama Fund I, die von der Nanostart AG verwaltet werden, uns helfen, neue Technologien aus Deutschland anzuziehen, in Bereichen, die noch nicht in Perm vertreten sind.

Wie wird aus Ihrer Sicht die Nanotechnologie in der Region Perm entwickeln?

Mushinkin: Das Niveau der nanotechnologischen Entwicklung in Perm ist jetzt ähnlich wie in den anderen Regionen Russlands. Dieses Niveau wird durch die Anzahl der an RUSNANO eingereichten Vorschläge von regionalen Unternehmen, dem Produktionsvolumen dieser Unternehmen und durch das Volumen und die Art der erzeugten Exportgüter bestimmt. Bisher machen innovative Produkte noch nicht den Großteil des Exports der Unternehmen in Perm aus. Aber es ist Linie der Regierung, die nanotechnologische Forschung zu fördern und mit einer führende Nanotechnologie-Beteiligungsgesellschaft, die den Nanotechnologie Venture-Fonds managen wird, zusammen zu arbeiten. Wir sind sicher, das führt dazu, dass die Region die führende Rolle in Russland übernehmen und internationale Anerkennung ernten wird.


You are here: Новости >> О нас пишут >> Region Perm: Wir werden nanotechnologisch eine führende Rolle in Russland übernehmen