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nils boing„Wir haben es mit einer neuen Epoche der Technik zu tun“: Am 15. Februar um 17.00 Uhr ist Wissenschaftsjournalist Niels Boeing zu Gast beim NanoWebTalk der Nanostart. Sein Vortragsthema lautet: "Nanotechnologie: Risiken und (mediale) Nebenwirkungen". Im Interview erläutert er, worum es dabei geht.

Herr Boeing, Sie sind Journalist und Diplom-Physiker und beschäftigen sich schon lange mit der Nanotechnologie. Im NanoWebTalk reden Sie auch über die „medialen Nebenwirkungen“ der Nanotechnologie. Was kann man sich darunter vorstellen?

Boeing: Mit medialen Nebenwirkungen meine ich, wie sich das Bild der Nanotechnik in den vergangenen 15 Jahren gewandelt hat. Die Medien haben meistens die Darstellung widergespiegelt, die Forschung und Forschungspolitik ihnen angeboten haben. Rückblickend betrachtet ist diese Darstellung nicht immer sehr glücklich gewesen. Mit dem Ergebnis, dass Nanotechnik heute sehr verengt betrachtet und wiedergegeben wird: Da sind dann der kratzfeste Autolack – tolle Sache –, die Sonnencreme mit Nanopartikeln – gemischte Gefühle – oder die Nanoröhren, die das neue Asbest sein sollen – bedrohlich. Diese Bilder können schnell ein Eigenleben führen und verschleiern, was Nanotechnik so interessant macht: nämlich Werkstoffe und technische Dinge auf der Nanoskala zu verbessern und damit auch Ressourcen sparen zu können.

Gibt es denn überhaupt „die Nanotechnologie“? Oder sind es nicht viele Nanotechnologien?

Boeing: „Die“ Nanotechnologie gibt es sicher nicht. Es handelt sich nicht um eine einheitliche Technologie, die irgendwie mit einem Objekt namens "Nano" hantiert. Aber die Forschungsszene hat lange Zeit den Eindruck erweckt, als sei es zumindest eine kohärente Technologie – womit sie im Grunde, ohne es zu wollen, die umstrittene Vision von Eric Drexler weitergeführt hat. Er sah ja Nanotechnologie als eine einheitliche Technologie von „Assemblern", das heißt Nanorobotern. Erst wenn wir uns darüber klar werden, dass wir es mit einer neuen Epoche der Technik zu tun haben, können wir nüchterner und gelassener an die Sache gehen. Wir können die Chancen besser herausarbeiten, aber auch Risiken ernst nehmen, ohne gleich das gesamte Technikgebiet in Frage stellen zu müssen.

Kann man im Sinne einer differenzierten Betrachtung sagen, dass es Bereiche gibt, in denen uns die Nanotechnologie entscheidend weiter bringen kann und andere, wo mögliche Risiken noch nicht ausreichend erforscht sind?

Boeing: Nanotechnik ist kein Selbstläufer. Trotz der Milliarden, die weltweit in den letzten Jahren investiert worden sind, ist es immer noch schwer, vielversprechende Ideen vom Labor-Prototyp auf eine marktreife Anwendung hoch zu skalieren. Das kann man sehr gut in der Nanoelektronik sehen, wo es an guten Konzepten nicht mangelt. Für Ressourceneffizienz, Energietechnik und Medizin bieten verschiedene Nanotechnologien ein Riesenpotenzial. Was die mögliche Toxizität von Nanomaterialien anbelangt, wartet noch eine Menge Arbeit. Bei vielen Stoffen ist es noch zu früh, ein verlässliches Urteil abzugeben. Dabei kommt uns aber zugute, dass bislang noch nicht viele „engineered nanoparticles" in die Umwelt entlassen worden sind. Allerdings sollten wir Risiken nicht mit Umweltrisiken gleichsetzen. Sollten in den kommenden 10, 20 Jahren einige neue, bahnbrechende Nanoanwendungen Erfolg haben, müssen wir auch sehr genau hinschauen, wie sie sich wirtschaftlich und gesellschaftlich auswirken können. Technologien verändern auch immer das Zusammenleben, wie das Web oder jetzt das Mobile Computing zeigen. Da gibt es bei allen Fortschritten auch immer ein paar unangenehme Überraschungen. Die Nanotechnik wird da keine Ausnahme machen.

Vielen Dank Herr Boeing.

Weitere Informationen zum NanoWebTalk finden Sie unter: www.nanowebtalk.de

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