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Interview: „Die Leistungsfähigkeit unserer Filter liegt 4 bis 5-mal höher als die herkömmlicher Wasserfilter“

Wir sprachen mit Lutz Bungeroth, Vorstand der ItN Nanovation AG, über den Einsatz der CFM-Technologie in der MENA-Region.

Die ItN Nanovation AG hat im Oktober gemeldet, dass die Verträge für das Joint Venture in Saudi-Arabien mit dem saudischen Partner Juffali und deutschen Industrieinvestoren unterzeichnet wurden.

Das geplante Gemeinschaftsunternehmen wird im Nahen Osten und Nordafrika („MENA-Region“) die nanokeramischen Flachfilter CFM Systems sowie das entsprechende Zubehör vertreiben.

Die Region gehört zu den Kernmärkten der Trinkwasseraufbereitung. Die Produkte des Gemeinschaftsunternehmens sollen vor allem im Rahmen der Vorfiltration bei der Umkehrosmose zur Trinkwassergewinnung eingesetzt werden.

Was macht die Region Naher Osten und Nordafrika zu einem Kernmarkt der Trinkwasseraufbereitung?

Bungeroth: Bei Jahresniederschlägen um die 100 Millimeter, wie wir sie in dieser Region verbreitet finden, gibt es praktisch keine natürlichen Oberflächengewässer wie Seen oder Flüsse. Rund 80 Prozent des Trinkwassers in Saudi-Arabien werden aus fossilem Grundwasser gewonnen, das sind Grundwasservorkommen aus vorgeschichtlicher Zeit.

Die entsprechenden Brunnen sind bis zu 1.200 Meter tief. Da es keine Trinkwasserqualität hat, muss das Wasser aufbereitet werden. Das Problem verschärft sich durch die schnell wachsende Bevölkerung. Schätzungen zu Folge reicht das Wasser aber noch rund 300 Jahre.

Warum genau muss das Trinkwasser aufbereitet werden?

Bungeroth:
Sie müssen wissen, dass das Wasser grundsätzlich sehr salzhaltig ist, es enthält immer noch halb so viel Salz wie Meerwasser. Außerdem ist es sehr warm, rund 45 Grad Celsius. Die Salze müssen entfernt werden. So wie es gefördert wird, ist es nicht genießbar. Biologisch ist es allerdings tot, das heißt es enthält keine Bakterien, Viren oder Mikroorganismen, die eliminiert werden müssen.

Wie wird bei der Filtration vorgegangen?

Bungeroth:
Die Entfernung der Salze, um Trinkwasser zu erhalten, läuft grundsätzlich in zwei Schritten ab. Zunächst wird das Grundwasser vorfiltriert. Anschließend wird es bei der sogenannten Umkehrosmose auf Trinkwasserqualität gebracht. Die bei der Umkehrosmose verwendeten Membranen sind empfindlich und sehr teuer. Je nach Qualität des Vorfiltrats halten sie unterschiedlich lang.

Deshalb kommt es sehr auf die Qualität der Vorfiltration an. Und das ist in diesem Fall unser Gebiet. Bei der Vorfiltration werden vor allem gelöste Stoffe wie Mangan und Eisen, teilweise auch Radium aus dem Wasser entfernt. Dazu haben wir nicht nur die Technologie, sondern auch die Prozesse entwickelt. Die restlichen gelösten Salze werden bei der Umkehrosmose entfernt.

Wie genau funktioniert die Vorfiltration der ItN?

Bungeroth:
Über eine von uns speziell entwickelte Fällungsreaktion werden die Mangan- und Eisen-Ionen als Schlamm ausgefällt, den wir anschließend abfiltrieren. Dabei kommen unsere patentierten nanokeramischen Flachfilter, CFM-Systems, zum Einsatz. Sie ersetzen sowohl die einfachen Sandfilter als auch Polymerfilter, die bisher für die Vorfiltration eingesetzt wurden. In einem dreivierteljährigen Piloteinsatz vor Ort haben wir ihre Tauglichkeit nachgewiesen. Jetzt sind wir dabei, die Früchte unserer Entwicklungsarbeit zu ernten.

Wie hat es ItN geschafft, die saudi-arabischen Behörden von der Technologie zu überzeugen? Wo liegen die Vorteile von CFM-Systems gegenüber Sandfiltern beziehungsweise Polymerfiltern?

Bungeroth:
Das Pilotprojekt hat unseren Partnern und den zuständigen Behörden eindrucksvoll vor Augen geführt, dass unsere Technologie herkömmlichen Polymerfiltern und natürlich auch den einfachen Sandfiltern weit überlegen ist.

Dadurch, dass die Keramik so robust ist, trotzt sie den aggressiven Bedingungen durch Salze und hohe Temperaturen. Das erhöht gegenüber Polymerfiltern die Lebensdauer um ein Vielfaches. Gleichzeitig sind sie wartungsärmer, man kann sie beispielsweise rückspülen, was bei anderen Filtern nicht möglich ist.

Das alles führt dazu, dass die spezifische Leistungsfähigkeit der Membranen im Praxiseinsatz bis um den Faktor 4,5 höher ist als bei derzeit im Einsatz befindlichen Polymermembranen namhafter Hersteller. Nicht zuletzt erhöht die hervorragende Qualität des Vorfiltrats auch die Lebensdauer und Effektivität der Umkehrosmose.

Sie haben gemeldet, dass für die Gründung des Joint Ventures noch Genehmigungen der Behörden ausstehen. Wann ist damit zu rechnen?

Bungeroth:
Das zuständige Ministry of Water hat unser Verfahren bereits als anerkannte Methode bescheinigt. Die Zulassung, die wir noch für dieses Jahr erwarten, ist für deutsche Verhältnisse ähnlich wie eine Gewerbeanmeldung.

Vielen Dank Herr Bungeroth.


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